Essen & Trinken
Aufgrund
der extremen Wasserarmut und dürftigen Bodenverhältnisse beschränkt
sich die Landwirtschaft Lanzarotes auf einige wenige Produkte.
Als wichtigste Anbauprodukte seien neben Kartoffel und Süßkartoffeln
die mildwürzige Zwiebel und natürlich der Wein erwähnt.
Seit einiger Zeit werden auf Lanzarote hervorragende Marmeladen hergestellt,
aus Kakteenfrüchten, Feigen und natürlich aus der Malvasia-Traube.
Schon im Mittelalter wurde die Malvasierrebe von Kreta nach Lanzarote gebracht.
Jedoch begann man erst nach den gewaltigen Vulkanausbrüchen 1730-36 mit
dem großflächigen Anbau der Traubenart.
Die Eigenschaft der entstandenen Vulkanasche (picon), Feuchtigkeit aufzunehmen
und zu speichern, wurde für den Anbau ausgenutzt (Trockenfeldanbau = enarenado).
Hierzu werden die Rebstöcke in dieLavaasche eingegraben und mit einer Schutzmauer
gegen die Passatwinde umgeben. Der anfallende Nachttau wird vom "picon" gespeichert
und langsam an die Wurzeln weitergegeben. Die Gegend um La Geria,
das Hauptweinanbaugebiet Lanzarotes, wurde 1964/65 vom New Yorker Metropolitan
Museum of Modern Art mit dem Titel " Engineering without Engineers"
ausgezeichnet, was übersetzt soviel wie "Architektur ohne Architekten"
bedeutet. Natürlich haben sich diverse Weinhersteller in dem Gebiet
von La Geria niedergelassen.
Die zum Teil hervorragenden Weine, die auf Lanzarote produziert werden, kann
man oft nur in den entsprechenden Bodegas selbst kosten bzw. erwerben.
Die typische
Inselküche setzt sich hauptsächlich aus einfachsten Zutaten
zusammen und kommt heute in ihrer Ursprungsform nur noch in einfachen
Restaurants, meist abseits der touristischen Zonen, auf den Tisch.
Hierzu zählt beispielsweise "Gofio", das Grundnahrungsmittel
der Inselbevölkerung. Gofio ist ein Mehl aus gerösteten und gemahlenen
Getreidekörnern, welches z.B. zum Andicken von Suppen und Eintöpfen
verwendet wird. Man rührt es sich morgens in den Milchkaffee, den Kleinkindern
wird es dem Brei zugefügt. Selbst auf dem Speiseplan der Kanarischen Hunde
fehlt Gofio nicht.
Eine weitere Besonderheit der Kanarischen
Küche sind die "papas arrugadas con mojo", kleine "Runzelkartoffeln" mit
mojo verde (grüne Knoblauchsauce) oder mojo rojo bzw. mojo picón
(rote, sehr pikante Knoblauchsauce). Die Runzelkartoffeln, die mit Schale gegessen
werden, entstehen, indem man kleine Kartoffeln in stark gesalzenem Wasser (im
Original Meerwasser) kocht, dann das Wasser abschüttet und die Kartoffeln
ohne Wasser auf kleiner Flamme unter Schütteln des Topfes abdämpft,
bis alles restliche Wasser verdampft und das kristallisierte Salz an der Schale
der Kartoffeln anhaftet.
"Papas arrugadas con mojo" werden sowohl zu Fisch-, als auch zu Fleischgerichten
serviert. Ebenso großer Beliebtheit erfreuen sich die "batatas" (saisonbedingt)
con mojo, Süßkartoffeln mit Knoblauchsauce. Interessant, wie gut der
Geschmack dieser stark süßlichen Kartoffelart mit der Schärfe
des Knoblauchs harmoniert.
Zum desayuno (Frühstück)
reicht den Canarios meist ein "café con leche" (Milchkaffee)
und dazu ein dulce (Gebäck). Besonders beliebt sind churros,
ein Brandteiggebäck, welches frisch aus der Friteuse, getunkt in "chocolate
caliente" (heiße Schokolade) oder "café con
leche", ausgesprochen lecker ist.
Im
Gegensatz zu den Urlaubern wird bei den Inselbewohnern nach dem eher kargen
Früstück
viel Wert auf ein ausgiebiges almuerzo (Mittagessen) gelegt. Es beginnt
so zwischen 13 und 14 Uhr und kann sich z.B. am Wochenende bis in den späten
Nachmittag hinein ausdehnen. Hier kommt dann so ziemlich alles auf den Tisch,
was die Küche zu bieten hat. Einheimische Lokale z.B. bereiten an Sonn-
bzw. Feiertagen gern einen Puchero zu, ein recht aufwendiges Eintopfgericht,
welches aus mehreren Sorten Fleisch (im Original 7 verschiedene Fleischarten)
und diversen Gemüsesorten besteht. Die Gemüse, meist Möhren,
Kartoffeln, Mais, Weißkohl und Kichererbsen (garbanzos), werden getrennt
voneinander in Salzwasser gegart und kommen dann zusammen mit dem gegarten
Fleisch auf den Teller. Die entstandene, sehr schmackhafte Brühe, wird
gern zum Anrühren von "gofio" verwandt, welches dann, je nach
Appetit, zu dem sehr reichhaltigen Gericht gegessen wird.
Ein weiteres beliebtes Eintopfgericht ist der Rancho Canario, bestehend aus garbanzos (Kichererbsen), Nudeln und Kartoffeln, sowie Speck, Rind- und Hühnerfleisch.
Die potaje canario, ein Gemüseeintopf, oft auf der Grundlage von Linsen oder Kichererbsen zubereitet, ist eine recht sättigende Vorspeise. Eine Spezialität ist die potaje de berros (Brunnenkresse).
Tradition hat auch der sancocho canario, ein Eintopfgericht aus getrocknetem Fisch, Kartoffeln, Süßkartoffeln und Gemüse. Vor der Zubereitung wird der getrocknete Fisch mehrere Stunden in Wasser eingeweicht.
Fisch
Und dann gibt es natürlich
Fisch in allen Variationen. Gebraten, gegrillt oder gekocht, frisch ist
er natürlich am besten. Beim "pescado del día" (Fisch
des Tages) hat man die größten Chancen, einen wirklich frischen
Fisch zu bekommen. Seezungen, auf fast allen Speisekarten zu finden, sind
fast immer "congelado" (tiefgefroren).
Eine besondere Zubereitungsart ist der "Pescado a la sal" (Fisch
in Salzkruste).
Hierzu wird der Fisch ganz in Meersalz eingepackt und im Ofen gebacken.
Zu
den fast immer frisch erhältlichen Fischen zählen:






© 2000 Fischaquarelle Otto
E. Wieghardt
Fleisch
Zu den bekanntesten Kanarischen Fleischgerichten gehören "Conejo en salmorejo" (Wildkaninchen in Beize), "Cabrito" (Zicklein) und "Cordero" (Lamm).
Tapas
In fast allen Bars, zumindest außerhalb der touristischen Zonen, erhält man "tapas", kleine Appetithappen in verschiedensten Variationen, auf Tellerchen serviert, hervorragend zum Ausprobieren verschiedener Gerichte. Das Servieren von tapas ist vom spanischen Festland übernommen worden. Tapa bedeutet, wörtlich übersetzt , "Deckel". Damals erhielt man beim Bestellen eines Getränkes automatisch das Glas mit einem kleinen Tellerchen abgedeckt, auf dem sich ein Appetithäppchen befand. Dies war dann meist ein Stückchen Käse oder Schinken. Kenner behaupten, man habe diese Sitte aus hygienischen Gründen eingeführt, um Fliegen etc. von dem Getränk fernzuhalten. Leider, obwohl es immer noch Fliegen gibt, existiert das Abdecken der Gläser in dieser Form nicht mehr. Dafür gibt es heute eine reichliche Auswahl an tapas, es gibt regelrechte "Tapa-Bars", die bis zu 25 verschiedene Gerichte anbieten. Im Normalfall findet man , außer Schinken und Käse, in der Glasvitrine auf dem Tresen "ensaladilla" (eine Art Kartoffelsalat), "pollo" (Huhn), "carne en salsa" oder "estofado" (Fleisch in Sauce bzw. Gulasch) und "paella".